Rote Linie – Pädagogische Fachstelle Rechtsextremismus

Rechts liegen lassen

Viele pädagogisch handelnde Menschen nehmen mit Sorge wahr, wie sich die alltäglichen Umgangsformen und die Kommunikation in den sozialen Netzwerken in unserer Gesellschaft verändern. Sie erleben eine Sprache des Hasses, Diskriminierung, bewusste Kränkung, Abwertung und Ausgrenzung in Wort und Tat. Diese verbreitete verrohte und emotional aufgeheizte Kommunikation wird durch Repräsentanten der Rechtspopulisten und Rechtsextremen angefacht. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, denn sie haben sie das Potential, Gesellschaften schleichend zu desintegrieren. Daneben bilden sie die Hintergrundfolie, die diskriminierendes und gewalttätiges Verhalten legitimiert. Junge Menschen sind auf ihrem Weg,  sich die Welt ´eigen zu machen´ und in ihrem Bedürfnis nach Orientierung, mitunter auch für radikale Einstellungen sehr empfänglich.

Die rote linie ist eine pädagogische Fachstelle. Im Themenfeld Rechtsextremismus ist sie in ganz Hessen Ansprechpartner für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, der Jugendförderung und Einrichtungen der Jugendhilfe, für Fachkräfte an Schulen und in Betrieben, für Eltern und Angehörige, für besorgte oder gefährdete Jugendliche, für mitarbeitende der kommunalen Verwaltung, der Justizvollzugsanstalten, der Vereine, Verbände, Kirchen und Ehrenamtliche sowie für Behörden und Kommunalpolitiker*innen. Im Sinne einer vernetzten Fallarbeit können Unterstützungsleistungen sowohl mit den Jugendlichen als auch Angehörigen oder Fachkräften im unmittelbaren Umfeld parallel angeboten und koordiniert werden.


Das Angebot im Überblick:

  • Sozialpädagogische Einzelfallhilfe und Begleitungsangebot für rechtsaffine Jugendliche auch in Kooperation mit Einrichtungen der kommunalen Jugendhilfe, Jugendförderung, Jugendverbänden und Trägern in der Jugendpflege
  • vertrauliche und kostenlose Beratung von Eltern und in Elterngruppen
  • Beratung und Coaching für Pädagoginnen und Pädagogen, pädagogische Fachkräfte und Bezugspersonen
  • Beratung von Einrichtungen der Jugendförderung und -arbeit, Schulen, Ausbildungsstätten, kommunalen Behörden, Jugendhilfe- und Förderung, Polizei
  • Beratung zu Mobbing, „Hassrede“, Kommunikation und Sprache im Internet und  Umgang mit Sozialen Medien
  • Informationen, Fort- und Weiterbildungen rund um das Thema Rechtsextremismus.


Ziele und Ansätze

Die rote linie bietet durch Beratung, Begleitung und Bildung passende Unterstützungsangebote, um im (pädagogischen) Alltag präventive Handlungskompetenzen im Umgang mit rechtsextremen Einstellungen und Verhalten hinzu zu gewinnen und erfolgreich zu intervenieren.

Jugendhilfe und -arbeit

Das Beratungsangebot richtet sich an Einzelpersonen oder Träger, die in der Jugendhilfe und Jugendarbeit tätig sind und sich in ihrem Arbeitsumfeld mit rechtsaffinen Jugendlichen oder Ereignissen konfrontiert sehen. Die Beratung und das Coaching hat die Entwicklung von Handlungssicherheit im Umgang mit solchen Jugendlichen zum Ziel. Sie ist eine Unterstützungsleistung zur primären und sekundären Prävention von Rechtsextremismus und hilft dabei, einen selbstsicheren, reflektierten und professionellen Umgang zu entwickeln. Im Rahmen von Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für Fachkräfte wird das notwendige Wissen vermittelt. Weiterhin unterstützt die Beratung bei der Entwicklung und Erprobung von pädagogischen Konzepten vor Ort.

Distanzierungshilfen für Jugendliche

Jugendliche entwickeln in Auseinandersetzung mit Familie, Schule, Medien und Gleichaltrigengruppe z.T. auch radikale Einstellungen und Handlungsbereitschaften. Sie befinden sich in einer Lern- und Entwicklungsphase und Veränderungen sind damit unausweichlich. Aber: Jugendliche brauchen in diesem Prozess Begleitung und Förderung:

  • Überwindung individueller Beeinträchtigungen, Erschließung und Aktivierung von Ressourcen und Zukunftsvorstellungen und Beginn von Veränderungen,
  • Überwindung einer sichtbaren Inszenierung der eigenen Person als extrem rechts,
  • Überwindung von jugendkulturell „rechts“ und als abweichend konnotierte Verhaltensweisen,
  • Vermeidung einer fortschreitenden Ideologisierung.

Um den Verlauf der Hinwendung oder eine rechtsextreme Radikalisierung Jugendlicher zu irritieren oder aufzuhalten und auch Gefährdungen in dessen Lebensumfeld entgegen zu wirken bietet die rote linie eine individuelle sozialpädagogische Einzelfallhilfe von rechtsextrem orientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen an. Die (einstiegs-)intervenierende alltagsorientierte Begleitung, auch in einem Zwangskontext, gibt Hilfen zur Distanzierung von rechtsorientierten Einstellungen und Verhalten. Sie wird zumeist vermittelt durch SignalgeberInnen in Institutionen, Bezugspersonen oder Eltern.

Elternberatung

Rechtsextreme Gefährdungen und Orientierungen junger Menschen haben immer einen familiären Kontext. Die Familie ist oft der erste Schauplatz rechtsextremer Inszenierungen, mit unmittelbarer Wirkung auf die Beziehungen und Interaktionen. Die Einbeziehung von Angehörigen rechtsaffiner oder rechtsextremer junger Menschen kann für eine Distanzierung förderlich sein. Angehörige haben darüber hinaus aber auch einen eigenständigen Unterstützungsbedarf.

Das Angebot der Elternberatung begleitet Eltern, Angehörige und Bezugspersonen darin, die Lage des rechtsorientierten Kindes und Jugendlichen einzuschätzen, dessen Entwicklung zu unterstützen und einen Umgang mit offenen Fragen und Konflikten zu finden. Dabei richtet sie den Blick auch auf die persönlichen Ressourcen der Eltern. Die Beratung kann Eltern helfen, sich um konkrete Probleme kümmern, Entlastung bieten, Akzeptanz und Wertschätzung vermitteln, Perspektivwechsel ermöglichen, Handlungsmöglichkeiten und Ressourcen aufzeigen, informieren und Verstrickungen klären, alternative Rahmungen und eigene Präsenz stärken, bisherige Handlungsweisen reflektieren und eigene Standpunkte zu gesellschaftlichen Fragen benennen und Konsequenzen aufzeigen helfen.

Wir bieten eine aufsuchende Beratung bei Ihnen vor Ort oder an einem neutralen Ort in Ihrer Nähe an. Neben der individuellen Elternberatung werden im Sinne der Selbsthilfe auch moderierte Elterngruppen angeboten.

Hassrede und (Cyber-)Mobbing
Mobbing, Hassrede und diskriminierende rassistische Inhalte im Internet fordern Lehrkräfte, Eltern und alle an der Entwicklung und Sozialisation von Kindern und Jugendlichen beteiligten verantwortlichen Personen heraus.

Ziel ist es, über die Verbreitung diskriminierender und rechtsextremer Inhalte aufzuklären und ihre Präsenz zu reduzieren, alternative Inhalte und Positionen sichtbar zu machen und, aufbauend auf Dialog und Beziehung, Betroffene zu unterstützen und gefährdete junge Menschen in ihrer Medienkompetenz und Entwicklung zu fördern. Die rote linie sensibilisiert Jugendliche im Rahmen von Workshops für (rechtsorientierte) Sprache und Wirkungen im Internet, vermittelt Handlungskompetenzen im Umgang mit Sozialen Medien. Weitere Veranstaltungen (z.B. Elternabende) unterstützen Angehörige und Fachkräfte.

Jugendstrafvollzug und Bewährungshilfe

Im Rahmen des Modellprojekts „Kompetenz gegen Extremismus in Jugendstrafvollzug und Bewährungshilfe“ (KogEx) setzt die rote linie Gruppenangebote zur Entwicklungsförderung und Prävention für inhaftierte junge Menschen in hessischen Jugendstrafvollzugsanstalten um.  Informations-, Sensibilisierungs- und Fortbildungsangebote zum Thema Radikalisierungsprävention im Kontext Rechtextremismus richten sich an Fachkräfte und MultiplikatorInnen.

Informations- und Fortbildungsveranstaltungen

Das Programm „Rote Linie – Pädagogische Fachstelle Rechtsextremismus“ bietet verschiedene Veranstaltungsformate an. Informationsveranstaltungen haben das Ziel, über die Arbeit des Programms zu informieren und einen ersten Einblick in das Problemfeld Rechtsextremismus zu geben. Workshops für Jugendliche, z.B. an Schulen, informieren über die verschiedenen Facetten von Rechtsextremismus und geben den Jugendlichen einfache Umgangsstrategien mit an die Hand. Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen haben zum Ziel, für das Thema Rechtsextremismus zu sensibilisieren, ausführlich über seine Facetten zu informieren, Methoden für die jeweilige Handlungspraxis zu vermitteln und zusätzlich Fragen der persönlichen (pädagogischen) Haltung zu diesem Themenfeld zu diskutieren.

Die Angebote können flexibel nach den jeweiligen Bedarfen gestaltet werden. Grundsätzlich haben Workshops, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen hohe partizipative Anteile, es wird vermieden, die Inhalte frontal zu vermitteln. Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen sich vielmehr aktiv im Rahmen von gemeinsamer Arbeit im Plenum oder in Kleingruppen einbringen können.

Das Programm „rote linie – Pädagogische Fachstelle Rechtsextremismus“ wird gefördert im Rahmen des Landesprogramms „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ und durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und wird vom St. Elisabeth-Verein e.V. in Marburg umgesetzt.

Ansprechpartner


Torsten Niebling

Tel.: 06421-948500
kontakt@rote-linie.net

www.rote-linie.net

Postadresse:


St. Elisabeth-Verein e.V. Marburg

Rote Linie - Pädagogische Fachstelle Rechtsextremismus

Hermann-Jacobsohn-Weg 2
35039