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Echte Kunst braucht Auslauf

Verfasst am: 22.01.2018

Marburg. Vergangenen Samstag fand in den Räumlichkeiten der St. Elisabeth Innovative Sozialarbeit (GISA) die Eröffnung der ersten eigenen Ausstellung des Acrylmalers Chris Barth statt, der die Besucher mit seinen lebendigen Porträtaufnahmen beeindruckte. Noch bis Ende des Jahres können sich Kunstinteressierte von der besonderen Ausdrucksweise des Künstlers überzeugen, dessen Markenzeichen der „Auslauf“ ist.

Wenn Clint Eastwood, Lenny Kravitz und Udo Lindenberg zusammen in Marburg „abhängen“, dann findet nicht etwa ein internationales Musik- und Filmfestival statt. Sondern die Eröffnung der Vernissage von Chris Barth, der unter anderem diese drei Persönlichkeiten authentisch auf die „Leinwand“ gebracht hat. Am vergangenen Samstagnachmittag spielte die Musik daher sprichwörtlich in den Seminarräumen der St. Elisabeth Innovative Sozialarbeit (GISA), wo Kunstinteressierte einen Einblick in die  Porträtkünste des in Nordhessen lebenden Malers bekamen, der sich seit 2014 der Acrylmalerei auf Leinwand widmet – und vorzugsweise Gesichter bekannter und unbekannter Menschen auf lebendige Weise verewigt.

„Die Unterstützung regionaler Künstler liegt uns besonders am Herzen“ erläutert Marie Haberland, Leiterin Fort- und Weiterbildung bei der GISA, den Grundgedanken. Von den regelmäßigen Ausstellungen können sich nicht nur die jährlich 2000 - 3000 Seminarteilnehmer der GISA ein Bild machen. „In den seminarfreien Zeiten steht die Ausstellung allen offen, aus organisatorischen Gründen bitten wir deshalb um eine vorherige Anmeldung.“ Die Werke von Chris Barth seien voraussichtlich bis Ende des Jahres zu bewundern – wer sein „Nachfolger“ werden will, könne sich bereits jetzt für das Frühjahr 2019 bei der GISA bewerben, so Haberland, von der auch selbst ein Porträt in den Ausstellungsräumen zu sehen ist.

Auch GISA-Leiterin Julia Diehl-Wadewitz ist nicht nur in natura anzutreffen. „Zwei besondere Geschenke von Chris, die auch nach der Ausstellung hier bleiben,“ freut sie sich zu Beginn ihrer Eröffnungsrede über die „bilde“ Gabe. Diese hätte es ohne Monika Schmelz wohl nicht gegeben, klärt Diehl-Wadewitz die Besucher über die Entstehung des Erstkontaktes auf. Denn wie es der Zufall so will, ist Schmelz nicht nur Seminarteilnehmerin, sondern auch eine Bekannte des Künstlers. „Als ich mitbekommen habe, dass bei der GISA regelmäßig Ausstellungen stattfinden, habe ich gleich an Chris gedacht“, bringt Schmelz die Begeisterung für Barths ausdrucksstarke Gemälde ihrerseits zum Ausdruck.

Ein Eindruck, der sich auch für den „unbekannten“ Zuschauer vom ersten Bild an bestätigt. Von seinem ersten Acryl-Porträt, welches das Gesicht einer jungen Frau nachzeichnet, über das Kolosseum bis hin zu seinem neuesten Werk, das die Verbundenheit zweier Hände darstellt – alle Bilder haben eines gemeinsam: Ausstrahlung. Fast scheint es, als würden sie jeden Moment zum Leben erwachen. Als würden die Grenzen zwischen Abbild und Realität verschwimmen. Und genau das ist auch die Intention des Künstlers: „Mein Markenzeichen ist der Auslauf – meine Porträtbilder  schließen nie „sauber“ ab, sie verlaufen und verwischen“, beschreibt Chris seinen Stil. „Für mich  werden die Bilder erst dadurch zu Kunst.“ Kunst, die echt ist. Und eine emotionale Verbindung zwischen Bild und Betrachter herstellen soll.

Ein Anspruch, dem Chris bei seiner ersten eigenen Ausstellung gerecht wird, findet nicht nur Volker Schenkel. Sein Lieblingsgemälde hat er bildlich gesprochen auch gleich zur Hand, „denn die Verbundenheit der beiden Hände erzeugt einen besonderen Effekt“, stellt der Besucher die Wirkung seines Favoriten heraus. Dass Chris Menschen mit seinen Bildern berühren kann, kommt für einen Gast ganz und gar nicht überraschend. Dr. Anne Hoerder, die Kuratorin der „Rauschenale“, war schon vergangenes Jahr von den Arbeiten des jungen Mannes angetan, als dieser im Rahmen eben jener Kunstveranstaltung seine Werke präsentierte. Ganz offensichtlich gelingt es Chris Barth auch außerhalb von Rauschenberg, die Betrachter in einen Rausch zu versetzen.

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