Erfahrungsberichte

„Durchatmen!“
Auftakt ins Freiwilligendienstjahr 18/19 der Ev. Freiwilligendienste Diakonie Hessen
Freiwilliges Soziales Jahr und Bundesfreiwilligendienst im St. Elisabeth-Verein e.V.

von Judith Prediger

„Durchatmen!“ – so lautete das diesjährige Motto der Auftaktveranstaltung der Region Mitte-West der Evangelischen Freiwilligendienste der Diakonie Hessen. Mit dem Begrüßungsgottesdienst am 14.09.2018 in der ev. Kirche in Stadtallendorf wurden auch die Freiwilligen, die ihren Freiwilligendienst bei uns im St. Elisabeth-Verein absolvieren, offiziell begrüßt.

Die Gestaltung und Durchführung des Gottesdienstes übernahmen Mitarbeitende der Evangelischen Freiwilligendienste. Diakoniepfarrer und Aufsichtsratsvorsitzender des St. Elisabeth-Vereins Pfr. Ulrich Kling-Böhm hielt eine erfrischende Predigt zum Thema „Durchatmen“. Dabei ging er auf die vorangegangene Lesung aus dem 1. Buch Mose, das von der Schöpfung der Welt berichtet, ein. Er stellte fest, dass man häufig an der Oberfläche bleibe bei den Dingen, die man sieht oder hört und ermutigte genauer hinter etwas zu schauen und auszuprobieren.

Mehr » Die Kreisbeigeordnete Sigrid Waldheim richtete ein sehr herzliches Grußwort, in Vertretung der Landrätin des Landkreises Marburg-Biedenkopf Frau Fründt, an die Freiwilligen.

Neben der musikalischen Gestaltung durch Martina Cloos, die ihren eindrucksvollen Gesang selbst mit Gitarre oder Flügel begleitete, fand der in der Poetry Slam Szene sehr bekannte Poetry Slamer Felix Römer die richtigen Worte und animierte die ca. 140 Freiwilligen und Gäste mit seinem interaktiven Gedicht „Es ist schön“ zum lautstarken Mitmachen.

Nach dem Gottesdienst und einer großen Luftballonaktion gab es bei einem Stehimbiss die Möglichkeit, mit Freiwilligen, Anleitenden und Vertreter*innen der verschiedenen Einrichtungen ins Gespräch zu kommen.

Für die Freiwilligen war jedoch nach dem Gottesdienst der Tag noch nicht beendet, denn anschließend trafen sich die einzelnen Seminargruppen, auch die der E-Vereins-Freiwilligen, zum ersten Studientag.

In der folgenden Woche nach der Auftaktveranstaltung fand das fünftägige Einführungsseminar bei bestem Sommerwetter im Knüllhouse in Neukirchen statt. Fünf Tage hatten die Freiwilligen Zeit sich in der Gruppe kennenzulernen, sich gegenseitig ihre verschiedenen Einsatzfelder und Aufgaben vorzustellen und beim erlebnispädagogischen Tag eigene Grenzen und ungeahnte Fähig- und Fertigkeiten an sich zu entdecken und in der Gruppe gemeinsam Lösungswege für die gestellten Aufgaben zu finden.

Alles in allem ein ereignisreicher Start in das Freiwilligendienstjahr 18/19 – und wie immer ist es spannend wie jede*r Freiwillige ihr/sein Freiwilligendienstjahr, mit Unterstützung durch die Anleitenden und Kolleg*innen in den Settings und der pädagogischen Referentin, gestalten und meistern wird.

Ich wünsche allen Beteiligten ein erfolgreiches, gewinnbringendes und erfahrungsreiches Freiwilligenjahr mit viel Freude!

FSJ BFD 2019
Der neue FSJ/BFD Jahrgang 18/19 des St. Elisabeth-Vereins mit Vorstand H.W. Künkel und J. Prediger Koordinatorin Freiwilligendienste, Foto: Manfred Günther

FSJ BFD 2019 Luftballonaktion
Luftballonaktion im Rahmen der Auftaktveranstaltung Ev. Freiwilligendienste Diakonie Hessen, Foto: Erich Schumacher

„Schwer mutig – statt schwermütig“
Abschluss einer spannenden Entdeckungsreise

von Judith Prediger, Koordinatorin Freiwilligendienste, Juni 2018

Und schon wieder geht das Freiwilligendienstjahr für die meisten FSJler*innen und BFDler*innen im St. Elisabeth-Verein dem Ende entgegen.

Pläne für die Zeit danach sind geschmiedet, Bewerbungen geschrieben und eingereicht, Vorstellungsgespräche geführt – die Zukunft kann kommen!

Mehr » Für einen großen Teil der Freiwilligen wird es in pädagogischen und / oder medizinischen Ausbildungen und Studiengängen beruflich weitergehen. Andere starten in kreativen oder bürotechnischen Bereichen durch. Wohin der Weg sie auch führt, die Freiwilligen profitieren von ihren jeweiligen persönlichen, wertvollen Erfahrungen des vergangenen Jahres im Freiwilligendienst.

Hoffentlich werden – wie schon in der Vergangenheit erfreulicher Weise des Öfteren geschehen – einige der Freiwilligen in den nächsten Jahren als Praktikant*innen, Berufspraktikant*innen oder später als Mitarbeitende im St. Elisabeth-Verein ihr berufliches zu Hause finden.

Aber nicht nur die Freiwilligen nehmen wegweisende Erfahrungen mit, sie haben auch Spuren in ihren Einsatzstellen hinterlassen. Mit großem Engagement haben sie ihre Dienste absolviert, sich in für sie völlig neue Situationen eingefunden und in bestehende Teamstrukturen eingebracht.

In den Settings haben die Freiwilligen engagierte Kolleg*innen und Ansprechpersonen gefunden, mit denen sie gemeinsam durch die Höhen und vielleicht auch mal Tiefen eines solchen Jahres gegangen sind. Danke dafür!

Das diesjährige Abschlussseminar fand bei hochsommerlichen Temperaturen in der Jugendherberge Wiesbaden statt. Anhand einer Citybound Aktion am ersten Tag der Woche lernten die Freiwilligen mit herausfordernden Aufgaben die Stadt Wiesbaden, die Sehenswürdigkeiten und die Menschen kennen.

Im Rahmen einer Exkursion am dritten Tag der Seminarwoche entdeckten die Freiwilligen barfuß, nicht sehend und sehend, schmeckend, hörend, riechend, mit Körperkraft und / oder wenig Kraft dafür mit viel Gefühl, mit Geduld und jeder Menge Spaß das Angebot des „Schloss Freudenberg – ein Erfahrungsfeld für die Sinne“!

Inhaltlich wurde auf vielfältige Weise das Freiwilligendienstjahr reflektiert. Die Abschlusspräsentationen der Kleingruppen hätten kreativer nicht sein können.

Mit einem gemeinsamen Abschlussabend wurde das letzte Seminar und das nahende Ende des Freiwilligendienstes zelebriert. Nach einem kleinen feierlichen Empfang wurde mit Spiel und Spaß die Abendgestaltung eingeläutet. Anschließend zeigten die Bilder des Jahres, was die Freiwilligen alles erlebt, erarbeitet und gestaltet hatten. Es wurde reichlich gelacht, aber spätestens mit der grandiosen, treffsicheren, aber dennoch humorvollen wie auch ernsten Abschiedsrede von Sebastian kullerten auch mal Tränen.

Die Worte der Poetry-Slamerin Anna Shakoor, die im Rahmen der FSJ-/BFD-Auftaktveranstaltung im September letzten Jahres schon so gut zum Start des Freiwilligendienstjahres passten, könnten auch zum Abschluss nicht besser sein: „Das Leben lässt sich besser leben, wenn man statt schwermütig, schwer mutig ist und sich lieber kopfüber hineinstürzt, anstatt den Kopf unter Sand zu vergraben. Denn da draußen warten 1000 Gelegenheiten, um Blitzmomente abzuleiten, Herztaschenwärmer zu drücken und anderen, kleinen Wundern zuzusagen!“ (Zitat)

"Durch mein FSJ konnte ich nicht nur viele Erfahrungen sammeln, sondern auch gute Freunde finden. Definitiv ein Jahr, das ich nie vergessen werde."
Louisa, FSJ 17/18, AWG Bad Wildungen

„Ich kann das FSJ jedem ans Herz legen, der schon immer überlegt hat, ob soziale Arbeit das Richtige für ihn/sie ist. Du lernst alles, was du in deinem Leben brauchst und kannst dich auch ein Stück weit selbst finden.“
Sebastian, FSJ 17/18, WG Bad Endbach

FSJ BFD Abschlussseminar 2018

Ein FSJ Erfahrungsbericht

Von Sebastian Karl, FSJ 2017/2018 in der WG Bad Endbach

FSJ in einer WG für junge Geflüchtete? - Du spinnst!

In diesem Bericht möchte ich über meine persönlichen Erfahrungen in der Zeit meines FSJ in der Wohngruppe Bad Endbach des St. Elisabeth-Verein e.V. Marburg erzählen. In der Wohngruppe werden seit 2014 insgesamt 8 minderjährige und mittlerweile junge volljährige Geflüchtete unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen betreut, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind.

Mehr » Zu Beginn meines FSJ haben mich viele Menschen aus meinem Bekanntenkreis gefragt: „Wie kannst du sowas machen, hast du keine Angst?“ Ich war von Anfang an ohne Vorurteile an das FSJ herangegangen und sagte nur: „Nein, warum sollte ich Angst haben? Ich habe keine Vorurteile.“ Und genau das hat sich während meines FSJ auch bestätigt. Viele dieser Jungs wurden im Nachhinein sogar wie Freunde für mich.

Das Jahr begann für mich relativ spontan, da ich nach meinem abgebrochenen Studium gerne etwas sinnvolles machen wollte. So entschied ich mich mit Hilfe des St. Elisabeth-Vereins für ein Freiwilliges Soziales Jahr in der WG Bad Endbach. In der WG leben zurzeit 8 männliche Jugendliche und junge Volljährige im Alter von 17-19 Jahren. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien und Eritrea. In der Vergangenheit sind bereits einige Jugendliche ausgezogen, einige von ihnen wohnen in eigenen Wohnungen und werden teilweise noch von den BetreuerInnen der Wohngruppe pädagogisch begleitet. Die jungen Menschen werden allesamt über verschiedene Jugendämter betreut. Die BetreuerInnen begleiten sie auf einem Weg hin zu einer selbstständigen Lebensweise in der Deutschen Gesellschaft. Einen großen Stellenwert nehmen dabei vor allem die schulische und berufliche Entwicklung sowie die Integration ins soziale Umfeld ein.

Meine täglichen Aufgaben bestanden darin, die Jungs in allen Belangen mit zu betreuen, Termine mit ihnen wahrzunehmen, ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen und im Haus für Ordnung zu sorgen. Dies ermöglichte es mir, viel Zeit mit den einzelnen Jugendlichen zu verbringen und viele Gespräche mit ihnen zu führen, wodurch ich sie und ihre Situation immer besser kennen lernen und verstehen konnte. Auch Freizeitaktivitäten, wie Fußballspielen, ins Schwimmbad gehen oder einfach mal Playstation Spielen, gehören zum Alltag in der Wohngruppe. Auch hier war es immer sehr interessant zu sehen, wie z.B. Fußball viele verschiedene Nationalitäten verbindet und dass es einfach Spaß macht, mit den Jungs auch lockere Sachen, die auch zum Leben in Deutschland dazu gehören, zu unternehmen.

Unsere Jungs hier gehen alle zur Schule oder beginnen eine Ausbildung, jeden Tag wird über die Schule geredet und für sie gelernt, damit sie mindestens den Hauptschulabschluss schaffen. Und das schaffen die meisten Jungs, gerade weil sie sehr fleißig lernen und sich stark auf die Schule konzentrieren. Das Lernen mit ihnen hat immer sehr viel Spaß gemacht und ich war manchmal beeindruckt davon, wie schnell sie es schaffen, die Deutsche Sprache zu lernen. Für die Jungs ist das ein wichtiger Baustein ihrer Integration. Des Weiteren machen die Jugendlichen viele Praktika, um sich beruflich zu orientieren und ein Gefühl dafür zu bekommen, welchen Voraussetzungen sie im Arbeitsleben begegnen werden.

In der WG wohnen sowohl christliche als auch muslimische Jugendliche. Wenn man den Jugendlichen bei ihren Gesprächen über ihre Religionen zuhört, merkt man erst, wie wichtig diese für sie sind und wie viel Halt diese ihnen geben. Untereinander herrscht großer gegenseitiger Respekt vor den Religionen. In der Wohngruppe nimmt die Ausübung der Religion dementsprechend ebenfalls viel Raum ein, Feste und Feiertage werden gemeinsam gefeiert und reflektiert. So entsteht ein grundlegendes Klima der gegenseitigen Akzeptanz und Offenheit.

Für mich war das FSJ eine schöne Möglichkeit zu erleben und zu erfahren, dass man keine Angst vor „Fremden“ haben muss. Diese „Fremden“ haben Geschichten zu erzählen, und wenn jeder diese Geschichten anhören würde, würde es zu weniger Missverständnissen kommen.

Des Weiteren geben uns diese Jugendlichen auch viele Möglichkeiten, unseren eigenen Horizont zu erweitern und auch mal über den „Tellerrand“ hinauszuschauen und sich mit den für uns neuen Kulturen auseinanderzusetzen. Ich zum Beispiel habe eine ganz neue Art und Weise des Essens und Kochens von den Jungs gelernt. Hier stehen beim Essen der Respekt vor dem Essen und die Gemeinschaft beim Essen ganz klar im Vordergrund. Auch während des Ramadan war es für mich sehr wertvoll zu sehen, wie sehr sich die muslimischen Jungs an diesen Fastenmonat halten und danach leben. Diese Konsequenz würde ich mir persönlich manchmal auch in Bereichen meines Lebens wünschen. Abschließend steht die Dankbarkeit, die uns die Jugendlichen für unsere Hilfe geben. Diese Dankbarkeit lässt allen Arbeitsstress vergessen und zeigt, dass man für das, was man tut, auch etwas zurückbekommt.

Zuletzt möchte ich mich auch hier bei allen Jungs bedanken und ihnen das Beste für ihre Zukunft in Deutschland wüschen und hoffe, dass sie ihren Weg ohne Fremdenhass gehen können. Ich hoffe, ich habe Sie, liebe LeserInnen, dazu angeregt, sich selbst ein Bild zu machen und sich zu öffnen für ein Zusammenleben in Gemeinschaft und Frieden mit geflüchteten Menschen. Denn das ist genau das, was diese Menschen sich wünschen, nach all den Entbehrungen und Anstrengungen, die sie auf sich nehmen mussten, um nach Deutschland zu kommen.

Sebastian Karl

WG Bad-Endbach im Stadion, 2018Sebastian Karl mit Jugendlichen der WG im Stadion

FSJ-Erfahrungsbericht von Deborah, 20 Jahre, Jugendhilfe St. Elisabeth-Verein, Marburg

Wie soll es nach der Schule weitergehen? Soll ich mich direkt um einen Studien- oder Ausbildungsplatz bewerben? Und wenn ja, für was genau? Was möchte ich später überhaupt einmal arbeiten? Diese Fragen stellt sich wohl jeder, der kurz vor dem Ende der Schullaufbahn steht. So ging es auch mir und ich überlegte, was ich nach der Schule machen wollte. Ich hatte nach 13 Jahren Schule erst mal keine Lust auf noch mehr Theorie und entschied mich deswegen dazu, erst einmal etwas Praktisches zu machen.

Mehr » Ein Freiwilliges Soziales Jahr schien mir dafür perfekt zu sein. Also schickte ich eine Bewerbung an den St. Elisabeth-Verein und dann ging alles ganz einfach: Wenige Wochen später hatte ich eine FSJ-Stelle in einer Außenwohngruppe in Anzefahr bekommen.

Dort lebten während meines FSJs 6 Kinder und Jugendliche, die rund um die Uhr von einem Team, bestehend aus insgesamt 5 Personen, betreut wurden.

Im September ging es dann los. Die Vorfreude auf dieses Jahr war groß und überwog definitiv, aber Ängste und Zweifel hatte ich trotzdem. Diese waren aber ganz schnell verflogen, nachdem ich die ersten Tage in meiner Einsatzstelle verbracht hatte. Meine Kollegen erklärten mir viel und unterstützen mich und waren genauso wie die Kinder sehr offen zu mir. Dadurch wurde mir der Einstieg wirklich leicht gemacht. Ich habe mich schnell sehr wohl gefühlt und bin wirklich gerne auf die Arbeit gegangen. Manchmal kam es mir so vor, als ob es gar kein „richtiges“ Arbeiten wäre, sondern vielmehr ein normaler Familienalltag, der aber immer abwechslungsreich war und nie langweilig wurde.

Am Anfang wurden mir meine Aufgaben erklärt: Mein Arbeitsalltag begann damit, für die Kinder ein warmes Mittagessen zu kochen. Am Anfang war das schon mehr oder weniger eine Herausforderung, weil ich noch nie für so viele Personen kochen musste und meine Kocherfahrungen hielten sich zu dem Zeitpunkt auch sehr in Grenzen. Aber es hat dennoch Spaß gemacht und ich bekam auch da Unterstützung von meinen Kollegen. Nach dem Mittagsessen mussten die Kinder verschiedene Dienste im Haus erledigen. Von Küche aufräumen über Müll rausbringen bis hin zum Bad saubermachen war alles mit dabei. Anschließend habe ich mit den Kindern die Hausaufgaben erledigt, was ich immer gerne gemacht habe. Zum einen, weil ich ihnen helfen konnte und zum anderen, weil ich mich gebraucht gefühlt habe.

Eine weitere Aufgabe von mir war, die Kinder regelmäßig zu ihren Hobbies oder Vereinen und zu den verschiedenen Arztterminen zu fahren. In der Zeit haben die Kinder immer viel von sich selbst erzählt und so konnte ich sie besser kennenlernen. Wieder zurück in der Gruppe gab es abends ein gemeinsames Abendessen. Ich fand, dass das immer eine schöne Zeit war, weil alle gemeinsam am Tisch saßen und von ihrem Tag erzählten und was sie alles erlebt hatten. Später am Abend brachte ich manchmal noch die kleineren Kinder ins Bett und dann endete mein Arbeitstag, der manchmal mehr und manchmal weniger anstrengend war.

Neben den normalen Arbeitstagen fanden regelmäßig Seminare und Studientage statt. Dort hatte man Zeit, sich mit anderen FSJlern / FSJlerinnen über die Arbeit auszutauschen. Diese Zeit war immer sehr gut und wichtig, weil man mit anderen Freiwilligen über Probleme und Ängste, aber auch über die Freude an der Arbeit und über das, was einen sonst noch so beschäftigt, reden konnte. Neben den Seminarthemen, die durchgenommen wurden und den Dingen, die man neu dazulernte, kam der Spaß natürlich nie zu kurz.

Wenn ich zurückblicke, dann kann ich sagen, dass die Entscheidung, nach der Schule ein FSJ zu machen, definitiv die Richtige war. Zum einen, weil die Pause vom Lernen an der Schule oder Uni sehr gut tat und zum anderen, weil das Jahr für mich eine gute Orientierungshilfe für die Zukunft war. In meinem freiwilligen Dienst habe ich festgestellt, dass mir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wirklich sehr viel Spaß macht und deswegen werde ich auch einen Studiengang in die sozialpädagogische Richtung einschlagen. Noch dazu bin ich natürlich um einige Erfahrungen reicher geworden und kann sagen, dass ich die Arbeit in einer Außenwohngruppe gut kennengelernt habe. Einer der Gründe dafür ist, dass mir meine KollegInnen viele Einblicke gewährt und mir viel erklärt haben.

Ein solches Jahr verändert einen natürlich auch persönlich. Ich kann behaupten, dass ich durch diese Zeit offener und selbstbewusster geworden bin. Man lernt in einem FSJ auch seine Grenzen und die eigene Belastbarkeit kennen, denn es gab auch Phasen, die sehr anstrengend und stressig waren. Man muss lernen, mit schwierigen und belastenden Situationen umzugehen und es ist wichtig, dass man mit anderen darüber spricht. Die schönen Situationen und Erlebnisse lernt man dadurch umso mehr schätzen und davon gab es reichliche, die ich so schnell auch nicht vergessen werde. Auch wenn es manchmal nicht so einfach war, hatte ich in der ganzen Zeit sehr viel Spaß, sowohl mit den Kindern, als auch mit meinen KollegInnen. Es hat mir Spaß gemacht, für andere da zu sein und ihnen bei verschiedenen Dingen zu helfen oder einfach mit ihnen ein paar schöne Sachen zu unternehmen. Würde ich noch einmal vor der Frage stehen, wie es nach der Schule weitergehen soll, würde mich wieder für ein FSJ entscheiden.

Alles in Allem hat mir dieses Jahr also persönlich und beruflich sehr viel gebracht und ich kann es jedem weiter empfehlen, einen Freiwilligendienst zu machen und die Chance zu nutzen. Es lohnt sich!

Freiwilligendienst FSJ und BFD im St. Elisabeth-Verein

„Jump into life!“ – Start ins neue Freiwilligendienstjahr 2016 / 2017 von Judith Prediger

Am 15.09.2016 wurde der neue Freiwilligendienstjahrgang der Region Mitte West der Evangelischen Freiwilligendienste der Diakonie Hessen feierlich mit einer Auftaktveranstaltung in der evangelischen Stadtkirche in Stadtallendorf begrüßt.

Mehr » Mit dabei waren natürlich auch die Freiwilligen im FSJ und BFD des St. Elisabeth-Vereins, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle gemeldeten Freiwilligendienststellen in der Unternehmensgruppe besetzt waren.

Neben den Freiwilligen waren auch wieder die jeweiligen Anleitenden aus den Einsatzstellen, sowie Vertreter / Vertreterinnen der Einrichtungen eingeladen.

Wie in den vergangenen Jahren, stand auch diese Veranstaltung unter einem bestimmten Motto, dieses Mal lautete es: „Jump into life!“.

Zum Motto passend stimmte der Treysaer Pfarrer Dieter Schindelmann die jungen Menschen feierlich auf die Herausforderungen des anstehenden Jahres ein. Martina Cloos (Gesang) und Kevin Cerncic (Gitarre) sorgten eindrucksvoll für die musikalische Gestaltung. Der Poetryslamer Bo Wimmer begeisterte die Anwesenden mit seinen Texten.

Der neue Leiter der Evangelischen Freiwilligendienste, Herr Busweiler, sowie die pädagogische Leitung Frau Pontzen und die erste Kreisbeigeordnete im Landkreis Marburg-Biedenkopf, Frau Szeder, sprachen Grußworte.

Das Motto der Veranstaltung fand sich jedoch nicht nur in den Wortbeiträgen wieder, sondern auch live und in Aktion: über den gesamten Tag hinweg fotografierte der Aktionsfotograf Ryszard Majewski die Freiwilligen beim Trampolinspringen. Diese „Jump-Bilder“ wurden anschließend digital in entsprechende Hintergründe, wie z.B. Weltall, Meeresbrandung, Bergspitzen usw. eingesetzt. Jede/-r Freiwillige hatte anschließend die Möglichkeit seinem Bild ein ganz persönliches Motto zu geben! So entstand im Laufe des Tages eine beeindruckende Ausstellung!

Im Anschluss an den Gottesdienst ging es für die rund 80 Freiwilligen der Region Mitte West in den jeweiligen Seminargruppen mit einem Studientag weiter, zuvor konnte sich allerdings bei Essen und Getränken gestärkt werden.

Bereits kurz nach der Auftaktveranstaltung fand für die Freiwilligen im FSJ 18plus und BFD 18plus des St. Elisabeth-Vereins das fünftägige Einführungsseminar im „Knüllhouse“ in Neukirchen statt. In der Regel sind die Teilnehmenden im 18plus-Programm des FSJs und BFDs des St. Elisabeth-Vereins in einer Seminargruppe, Mitte West 4, zusammengefasst. Strukturell bedingte Ausnahmen und Varianten sind möglich. Vorrangig befasste sich das Einführungsseminar inhaltlich mit dem Kennenlernen der Teilnehmenden untereinander, sowie das Kennenlernen und Vorstellen der verschiedenen Einsatzstellen und den damit verbundenen Aufgaben. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Themengebiet „Erziehung“. Erlebnispädagogische Elemente, Kooperationsübungen, aber auch Entspannungstechniken fanden sich ebenso im Seminarprogramm wieder.

Das Zwischenseminar zu den Themen Nähe-Distanz, Zukunftswerkstatt: Berufsorientierung, Leben mit Behinderung mit Rollstuhlexkursion und einem Besuch des Dialogmuseums in Frankfurt hat im Januar statt gefunden.

Unterdessen hat die Seminargruppe auch mehrere einzelne Studientage absolviert. Einen Tag haben wir in Schwalmstadt in der Hephata Diakonie verbracht. Hier haben wir viel zum Thema Inklusion erfahren und u.a. die Akademie für soziale Berufe mit den verschiedenen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten kennengelernt.

Einen weiteren Studientag haben die Freiwilligen zum Thema „Jugend ohne Schulden“ mit dem Referenten Ekkehardt Schulze absolviert.

„Parolen Paroli bieten“ war das Thema des Studientages im Februar. Besonders erwähnenswert ist, dass der Referent des MBT Hessen, Stefan Wunsch, selbst sein FSJ und nach der Erzieherausbildung zudem sein Anerkennungsjahr im St. Elisabeth-Verein gemacht hat.

Die jungen Frauen und Männer im FSJ und BFD sind aktuell vorrangig im AWG-, MWG- und MPS-Bereich, in der Julie – Spannagel – Schule sowie im umA-Bereich Marburg, im stationären Bereich Biedenkopf / Dillenburg, im Netzwerk Jugend, im AWG Bereich Bad Wildungen und in der Altenhilfe eingesetzt.

Erwähnung finden soll aber auch, dass junge Menschen aus Betreuungssettings des St. Elisabeth-Vereins ebenfalls ein FSJ bei den Evangelischen Freiwilligendiensten absolvieren, z.B. im Bereich ev. Kita und offene Kinder-, Jugendarbeit.

Neben den Seminaren und Studientagen für die Freiwilligen, gibt es jährlich auch eine Fortbildungsveranstaltung für Anleitende, dieses Jahr mit dem Themenschwerpunkt „Freiwilligendienste verändern sich – was bedeutet das für Einsatzstellen, Anleitung und Träger?“.

Seit Anfang Februar ist die neue Homepage der Evangelischen Freiwilligendienste online, einfach mal draufschauen unter www.ev-freiwilligendienste-hessen.de. Ebenfalls neu sind die Printmedien. Sowohl online als auch auf dem Flyer finden sich Fotos und Infos von Freiwilligen des St. Elisabeth-Vereins wieder.

Das Regionalbüro der Evangelischen Freiwilligendienste in der Biegenstraße 30 in Marburg bietet jeden Donnerstag von 15:00 – 16:30 Uhr eine offene Infozeit an. Hier kann man sich über alles Wissenswerte zum Thema Freiwilligendienste informieren.

FSJ-2016-17 St.Elisabeth-Verein GruppenfotoJudith Prediger mit Freiwilligen St. Elisabeth-Verein Jahrgang 2016 / 2017